Die Lithographie bei Oskar Kokoschka

Als bevorzugtes drucktechnisches Mittel diente Kokoschka die Lithographie. Nur selten zeichnete er direkt auf den Stein. Die Übertragung seiner Originalentwürfe erfolgte durch die Umdrucktechnik. In seiner Frühzeit entstanden neben zahlreichen, für die Wiener Werkstätte entworfenen Postkarten, auch mehrere Illustrationen zu  seinen eigenen Dichtungen.

Im Jahr 1908 wurde Kokoschkas erstes Werk dieser Art „Die träumenden Knaben“ veröffentlicht, bei deren buntfarbigen Darstellungen Kokoschka vom Jugendstil und  von japanischer Holzschnitten beeinflusst war. In den nach 1913  publizierten Serien von Kreidelithographien „Die Chinesische Mauer“ und „Der gefesselte Columbus“ löste Kokoschka seine anfänglich geschlossenen Umrisslinien immer mehr in vibrierende Strichgefüge auf.

Den prominenten Höhepunkt dieser Illustrationen bildete die ab 1916 publizierte „Bachkantate“, die dem Thema von Hoffnung und Furcht entsprechend, starke Kontraste zwischen den schwarzen Kreidestrichen und dem weißen Blattgrund zeigt.

Kokoschkas Dichtung und Illustration war stets Projektion seiner eigenen Psyche, die Spiegelung seelischer Vorgänge. Diese verbildlichte er in den 1917 und 1918 entstandenen Werken zu seinen Dramen „Hiob“ und „Orpheus und Eurydike“.

Während seines Aufenthaltes in Dresden beschäftigte sich Kokoschka verstärkt mit der Bildnislithographie. Zu den damals Porträtierten zählten Max Reinhardt, Hermine Körner und Tilla Durieux, zu denen Kokoschka eine enge freundschaftliche oder berufliche Beziehung pflegte.

Nachdem er Dresden den Rücken gekehrt hatte, pausierte Kokoschka in seinem druckgraphischen Schaffen, das er Anfang der 1930er Jahre in Form zahlreicher „Trudl - Bildnisse“ wieder aufnahm. Auch während der Kriegszeit im Londoner Exil schuf er kaum graphische Arbeiten.

Ein Großteil seines druckgraphischen Werkes entstand erst nach 1956. Er veröffentlichte mehrere Druckserien, vorwiegend zur Illustration wichtiger Weltliteratur. Auch dem Porträt, und hier im Besonderen dem Selbstporträt, widmete sich Kokoschka in seiner Spätzeit noch einmal intensiv. Er stellte sich zumeist in Untersicht als monumentalisierte Halbfigur mit wechselnden Attributen dar. Kokoschka hielt seine physische und psychische Verfassung in diesen Selbstbildnissen fest und fing so seinen eigenen Lebensprozess ein.

Literatur:

Oskar Kokoschka, Das druckgraphische Werk, (Hg.) Hans Wingler und Friedrich Welz, Salzburg 1975



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