Körperzeichen III

22. September - 31. November 2022

Irene Andessner Renate Bertlmann Maria Lassnig
Arnulf Rainer
Chris Reinecke

Eröffnung: 22.09.2022, 18 Uhr

Wie gehen Künstlerinnen und Künstler mit dem eigenen und fremden Körper um? Wie setzen sie dem Körper ein Zeichen? Behandeln sie den Körper selbst als Zeichen? Oder zeichnen sie mit dem Körper?

In den 1970er-Jahren entdeckte die avantgardistische Kunstszene den menschlichen Körper als Ausdrucksmedium. Performance und Körperkunst entstanden in den USA, Südamerika, Japan und Europa. Die Ausstellung „Körperzeichen III“ widmet sich anhand von fünf unterschiedlichen Positionen dem künstlerischen Bestreben, den eigenen oder fremden Körper in der Kunst auszudrücken, in dem Zeitraum von 1968 bis 1998.

KÖRPER BE-ZEICHNEN

In Österreich gehörte Arnulf Rainer zu einem der frühen Wegbereiter der Körperkunst. In den 1970er-Jahren fertigte er zunächst die s.g. „Body Poses“ und „Face Farces“ an. Fotografien seines grimassierenden Gesichts und seines posenden Körpers überzeichnete er in Öl, Buntstift oder Kreide. Verzerrungen und Verformungen verstärken und verändern den Ausdruck der Vorlage auf malerische Weise bis zur Unkenntlichkeit.

MIT DEM KÖRPER ZEICHNEN

In den 1980er-Jahren wandte sich Rainer von der direkten Repräsentation seines Körpers ab. Er widmete sich gestischen Malereien, die indirekt den körperlichen Ausdruck enthielten, weil sie unter Einsatz des gesamten Künstler-Körpers entstanden. In ausladenden Gesten brachte Rainer die s.g. „Fingermalereien“ zustande. Sie führten den Künstler zum Beginn seiner Karriere zurück – zum Informel und abstrakten Expressionismus, die für die Entstehung der Körperkunst einflussreich waren.

KÖRPER-KRITIK

Insbesondere feministische Künstlerinnen befragten kritisch die Erwartungen an den weiblichen Körper, dekonstruierten das Körperganze oder ironisierten Geschlechterstereotype.

Die deutsche Künstlerin Chris Reinecke beteiligte sich bereits in den 1960er-Jahren an Aktionen und Performances. Als Mitglied der Düsseldorfer LIDL-Gruppe, der u.a. Jörg Immendorff angehörte, beschäftigte sie sich mit Kleidung und Körperhüllen. In ihrer Packung-Serie (1968) deutete sie Verpackungen als Hautoberflächen. Damit verstand sie einerseits die Haut als einschließende Barriere und verwies andererseits auf die zunehmende Warengesellschaft der 1960er-Jahre, die neben aufwendigen Verpackungen auch den sexualisierten Frauenkörper zu Werbezwecken einsetzte.

KÖRPER-FRAGMENT

Maria Lassnigs grafisches Werk der späten 1960er-Jahre ist dominiert von Körperfragmenten. Bis zur Unkenntlichkeit abstrahierte, menschliche Körper ruhen auf einem Polster. Ein Gewächs, das an eine Blume oder einen Pilz erinnert, wächst in den Himmel. Lassnig nimmt die Körperganzheit auseinander, ohne sie wieder zusammen zu setzen. Ihre Körper werden zu einzelnen, konzentrierten Zeichen fragmentiert, die fernab der Logik von Weiblichkeit und Männlichkeit zu stehen scheinen.

Auch Renate Bertlmann setzte den fragmentierten, zur Skurrilität verzerrten Körper ein. In einer ihrer Zeichnungen sind Euter und Herz miteinander verschmolzen, so dass Liebe, Nahrung und Ekel in einander fallen. Stets mit Ironie begegnete die Künstlerin dem menschlichen Körper, den Schönheitsidealen und dem Kunstbetrieb. So persiflierte sie auch den Geniekult, der oftmals männliche Künstler umweht, durch ein eigenwilliges Selbstportrait.

SELBST KÖRPER

Irene Andessner gehört zu einer unermüdlichen Erforscherin des eigenen Angesichts. In zahlreichen Selbstportraits und historischen Inszenierungen, die an die feministische Fotografie Cindy Shermans erinnern, widmete sich Andessner der Identitätssuche. Wie können wir unserem Selbst ein Zeichen setzen? Unsere Identität bezeichnen? Diese Frage adressierte die Künstlerin in einer Serie von Polaroids aus den 1990er-Jahren, die in „Körperzeichen III“ erstmalig in einer Ausstellung präsentiert werden. Die Serie zeigt die Ambivalenz der eigenen Identität: präsent und doch immer wieder entzogen, verwischt, verschwommen.

GESCHICHTE DER „KÖRPERZEICHEN“

2017 und 2018 waren in der Galerie Ruberl bereits zwei Ausstellungen unter dem Titel „Körperzeichen“ und „Körperzeichen II“ zu sehen – mit Werken von Jürgen Klauke, Trude Fleischmann, Günter Brus und vielen mehr. Angelehnt an Bernhard Bürgis prominente Ausstellung „Körperzeichen – Österreich“ von 1982, führt „Körperzeichen III“ Bürgis Projekt weiter. Dabei werden weitere Künstlerinnen einbezogen wie Chris Reinecke, Irene Andessner, Maria Lassnig und Renate Bertlmann. Diese verdeutlichen den Facettenreichtum und die Internationalität des künstlerischen Körpers und seiner Zeichen.


(Text: Johanna Luisa Müller)