KÖRPERZEICHEN IV

17.04.2026 – 22.05.2026

Mit der Ausstellung KÖRPERZEICHEN IV setzt die Galerie Ruberl eine Ausstellungsreihe fort, die seit 2017 in unregelmäßigen Abständen stattfindet. 

Seit den späten 1960er-Jahren etablierte sich der Körper als zentrales Ausdrucksmittel einer internationalen Avantgarde. Künstlerinnen und Künstler begannen, den eigenen Körper als Austragungsort gesellschaftlicher, psychischer und medialer Fragestellungen einzusetzen. Zwischen Performance, Fotografie und Malerei entstand eine Kunst, die nicht mehr nur abbildet, sondern handelt, einschreibt und transformiert. 

In Österreich fand diese Entwicklung im Wiener Aktionismus eine besonders radikale Ausprägung. Künstler wie Günter Brus, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler setzten den eigenen Körper als Material ein, um gesellschaftliche Normen, Tabus und Wahrnehmungsgrenzen zu hinterfragen. In diesem Kontext entstehen auch die Selbstbemalungen von Günter Brus, in denen der Körper zur Bildfläche wird. Farbe überzieht Haut, Raum und Objekt gleichermaßen – der Körper wird bezeichnet, verwandelt und zugleich in seiner physischen Präsenz infrage gestellt.

Irene Andessner erweitert die Auseinandersetzung um eine zeitgenössische Perspektive. In ihrer Serie Cyberface (1998) wird der eigene Körper zur Projektionsfläche, die sich zwischen Reproduktion, Manipulation und Kontrolle bewegt. Sie verweist damit früh auf jene Fragestellungen, die heute im Kontext digitaler Bildwelten und künstlicher Intelligenz an Dringlichkeit gewonnen haben. Das Porträt ist bewusst inszeniert und erscheint als ein flexibles, codierbares System. Es wird zum Statement einer Replikantin, die auf Selbstporträts spezialisiert ist. 

Arnulf Rainer bedient sich der Fotografie als Ausgangspunkt, um körperliche und psychische Zustände sichtbar zu machen. In seinen fotografischen Serien, den Face Farces und Body Poses, nutzt er den eigenen Körper als Medium eines expressiven „Körpertheaters“. Mimik, Verzerrung und körperliche Anspannung werden bewusst erzeugt, fotografisch festgehalten und anschließend durch zeichnerische und malerische Eingriffe übersteigert. Diese Überarbeitung dient nicht der Korrektur, sondern der Intensivierung des bereits im Körper angelegten Ausdrucks.

In seinen späteren Fingermalereien erscheint der Körper nicht mehr als Motiv, sondern unmittelbar als ausführendes Instrument der Malerei. Es entstehen Bilder, die den physischen Einsatz des gesamten Körpers voraussetzen und diesen indirekt sichtbar machen. Der Körper ist hier nicht dargestellt, sondern in den Entstehungsprozess eingeschrieben.

 

Eröffnung: 17. April 2026, 18:00 - 20:00 Uhr

Die Künstlerin Irene Andessner ist anwesend.