INTERVENTION#2 Irena Pejčić

19. Juni 2026

 

Mit der Ausstellungsreihe INTERVENTION lädt die Galerie Ruberl junge Künstler*innen ein, ihre Arbeiten in einen Dialog mit Werken aus dem Galeriebestand zu bringen. Die Begegnung unterschiedlicher Generationen und künstlerischer Positionen schafft neue Perspektiven und eröffnet ungewohnte Blickwinkel auf vertraute Arbeiten.

In dieser Ausgabe stellt Irena Pejčić die Fragen: Was bedeutet es, einen Körper zu zeigen? Und wessen Blick entscheidet darüber, was dabei sichtbar wird? 

Diese Fragen sind für Pejčić Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis. In Fotografie, Installation und Skulptur untersucht sie den Körper als Ort des Erlebens, der gesellschaftlichen Zuschreibung und des Widerstands. 

Der weibliche Körper ist in unserer Bildkultur allgegenwärtig und doch fast ausschließlich durch den männlichen Blick geformt, geglättet und auf ein Ideal reduziert worden, das weder Realität noch Vielfalt kennt. Genau dieser Logik entzieht sich Irena Pejčić konsequent.

Für die Intervention hat die Künstlerin eine Auswahl aus drei ihrer Werkgruppen getroffen: der Serie Vulvae, der Installation Zyklus und Arbeiten aus der fotografischen Dokumentation der Performance Wollust.

In der fotografischen Serie Vulvae richtet sie den Blick dorthin, wo der gesellschaftliche Umgang mit weiblicher Anatomie besonders aufschlussreich wird: auf ein Körperteil, das im öffentlichen Bild fast ausschließlich durch Scham, Unsicherheit oder pornografische Vereinheitlichung existiert. Sie zeigt reale, unbearbeitete Körperbilder – ohne Inszenierung, ohne Retusche und ohne jene ästhetischen Filter, die über lange Zeit den Blick auf den weiblichen Körper geprägt haben. Die Vielfalt der gezeigten Formen ist keine Provokation, sondern eine Selbstverständlichkeit. Sie verweist auf die Realität körperlicher Existenz und stellt die Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen in den Mittelpunkt.

Mit der Installation Zyklus begegnen sich zwei archaische Substanzen: Blut und Erde. Tropfen für Tropfen fällt das Blut auf ein Moospolster herab. Langsam, rhythmisch, unaufhörlich. Die Zeitlichkeit dieser Bewegung ist kein dramaturgisches Mittel, sondern ihr eigentlicher Gegenstand. Die Arbeit entzieht sich der Bewertung von außen und besteht auf ihrer eigenen inneren Logik. Ein Kreislauf, der sich weder beschleunigen noch aufhalten lässt.

Wollust beginnt mit einer gesellschaftlichen Diagnose und antwortet ihr mit einem Bild. Die aus der Performance hervorgehenden Fotografien versammeln Körper unterschiedlichster Art zu einer Gemeinschaft, die sich nicht zur Beurteilung stellt, sondern als Chor und Argument ihrer eigenen Vielfalt behauptet.

In der von Irena Pejčić zusammengestellten Gegenüberstellung ihrer Arbeiten mit Werken von Arnulf Rainer, Michael Horsky, Franz Ringel, Hermann Nitsch u. a. werden verschiedene Zugänge zur körperlichen Darstellung sichtbar. Ihre Verbindung liegt in einem gemeinsamen Interesse am Körper als künstlerisches Medium. Zugleich treten die unterschiedlichen Blickregime hervor, unter denen Körper dargestellt, wahrgenommen und bewertet werden.

 

INTERVENTION#2 - Irena Pejčić

Eröffnung: 14. Juli 2026, 18:00 - 20:00 Uhr

Die Künstlerin ist anwesend.